Pressestimmen zum Konzert vom 10.12.2016

Urner Zeitung 12.12.2016 Bruno Arnold

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Urner Wochenblatt 14.12.2016 Franka Kruse

Ein tierisch guter Abend mit dem Urner Wappentier

Theater(uri) | Die neue Melodie «Dr Stiär» bewies musikalische Vielfalt in allen Tonlagen Bekanntlich ist es der Wurm, der sich beharrlich im Ohr einnistet. Nun hat das possierliche Tierchen Konkurrenz von einem furchteinflössenden Genossen bekommen: dem «Stiär».

Franka Kruse

Das hat dem Urner Wappentier noch gefehlt – eine eigene Hymne. Ein Musikstück, das nicht nur den Urnerinnen und Urnern im Ohr bleibt und ihr eigenes Lied wird, sondern als musikalischer Botschafter des Kantons durchs Land zieht und zur Volksmusik wird. Am besten noch wie einst, Anfang des 20. Jahrhunderts, die Weise «Zoogä-n am Boogä», dem bislang bekanntesten Urner Volkslied mit damals noch politischem Protestcharakter gegen das offizielle Tanzverbot, aus der spitzen ! Feder von Berti Jütz. Kann das gelingen? Ein neuer Urner Hit in den Charts der Volkslieder? Die Aussichten sind nicht schlecht, gemessen am stürmischen Applaus, den das begeisterte Publikum am vergangenen Samstagabend im ausverkauften Theater(uri) spendete.

Grosses Amusement

Beifall für das tierische Engagement aller an diesem Stier-Projekt Beteiligten. Nicht nur für die musikalischen Leistungen der acht verschiedenen Ensembles, die während des zweistündigen Konzerts auf die Bühne traten. Auch für die Idee, dem Kanton Uri ein musikalisches Geschenk zu machen (Michel Truniger), für das Komponieren der Melodie (Fränggi Gehrig) und das Schreiben des Liedtextes (Rolf Sommer) sowie für die Initiierung und Umsetzung des ganzen – übrigens mehrfach preisgekrönten – Projekts (UW vom 3. Dezember) mithilfe von Michel Truniger, Christian Zgraggen und Ral! ph Aschwanden. Eine Gesamt-Urner-Produktion also, die natür! lich auc h einen würdigen Urner Moderator brauchte, der die schlauen, feinsinnig-witzigen Überleitungen zwischen den Auftritten der Musiker aus der Feder eines Urners locker-leicht über die Bühne bringt. Mit dem Schauspieler Rolf Sommer und den Texten von Stefan Arnold – kombiniert mit den humoristischen Bildern von Diana Scheiber – ist das Vorhaben mehr als gelungen und sorgte für überaus grosses Amusement in den Zuschauerreihen.

Urs Stierli und sein Aufsatz

Denn auszuschliessen ist es nicht ganz, dass die Suva das Wappentier der Urner auf seine Sicherheit hin untersucht. Schliesslich sei das Tier nicht angebunden, trage weder Helm noch Schutzbrille, inszenierte Rolf Sommer die Zeilen von Stefan Arnold auf höchst überzeugende Weise. Bedenklich auch die schwarze Farbe des Tieres, die den Sicherheitsvorschriften so gar nicht entspreche.! Bei Dunkelheit nicht sichtbar. Man empfehle seitens der Suva daher, auf den Stier zu verzichten und in den Farben des Kantons durch die Hummel zu ersetzen. Oder: «Was ich einmal werden möchte » – ein Aufsatz von Urs Stierli. Einer von fünf jungen Stieren in einer Klasse mit fünf Kühen, zehn Ferkeln und einer dummen Gans. Stierkamerad Josef möchte später mal etwas mit Menschen machen, der Österreicher in der Klasse will zu Red Bull oder noch besser nach Übersee auswandern zu den Chicago Bulls. Alles nichts für Urs. Er hat sich für einen Lehre als Wappentier beim Kanton Uri entschieden – mit Piercing. Schön auch die Casting-Show auf der Suche nach einer Jungfrau, die für eine Verfilmung den Stier überzeugend am Seil führt. Nicht zu vergessen das Astrolight-Speed-Dating unter dem Sternzeichen Stier. Wer entscheidet sich da nicht für den sensiblen Raubtierkuschler Julian? So und ähnlich klang der humoristische Rahmen ! eines Abends, in dessen eigentlichem Mittelpunkt natürlich ! das Werk «Dr Stiär» stand.

Temperament und Rhythmus

In ihrer «einfachsten und reinsten» Form präsentierten Rolf Sommer und Fränggi Gehrig die neue Melodie und ihren Text zu Beginn des Abends mit Sologesang zum Akkordeonklang. Vom Uristier war da die Rede, der ein gefährliches, aber auch besonderes Tier ist – seine Zier ein Ring durch die Nase. Er nimmt es mit jedem auf, wenn sein Temperament mit ihm durchgeht, er mit dem Kopf durch die Wand will und weder Sinn noch Verstand etwas nützen. Bändigen kann man ihn dann nicht. Doch findet sich in jedem Menschen ganz gewiss ein wenig vom Charakter des Uristiers – «auch in dir». Wie gross die Palette der musikalischen Möglichkeiten eines einzigen Stücks ist, zeigte sich an diesem vielfältigen Konzertabend aufs Beste. Das «Echo vom Poschtsack» folgte dem Duo Rolf Sommer und Fränggi ! Gehrig mit flotten Rhythmen, das Collegium Musicum mit «Chammerart» und die junge Urner Band «Rumpus» interpretierten das Stück auf ihre ganz andere und individuelle Art. Ihren Spass mit dem «Stiär» hatten auch die Mädchen und Jungen des Kinderchores der Musikschule Uri, die mit Inbrunst ihre Interpretation vortrugen. Grosses Orchester und wieder ganz anderes Kaliber bot die Blasmusikformation unter der Leitung von Michel Truniger. Fehlen durften bei diesem Thema ebensowenig spanischer Einfluss mit den «Cojones de Toros». Und im grossen Finale war es fast so weit, dass das Publikum mit einstimmte. Denn dann spätestens war «Dr Stiär» im Ohr.